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Die Unterhändler beider Regierungsparteien verhandeln derzeit auf Regierungs- und Parlamentsebene die neueste Gesundheitsreform. Sie soll für etliche Jahre Bestand haben. Zur gleichen Zeit legt Transparency International Deutschland die deutsche Fassung des "Global Corruption Report" mit dem Titel "Jahrbuch Korruption – Schwerpunkt: Korruption im Gesundheitswesen" vor. Diese Fassung ist angereichert durch einen analytischen Einführungstext
zur Situation des Gesundheitswesens in Deutschland mit Vergleichen zur Situation in den deutschsprachigen Ländern Österreich und Schweiz.
Die drei Autoren dieses Textes erklären dazu: "Deutschland ist nach den USA und der Schweiz das drittteuerste Land, was die Kosten seines Gesundheitswesens angeht. Die Leistungen für die Versicherten und der Gesundheitszustand der Menschen in Deutschland liegen im internationalen Vergleich aber nur im Mittelfeld. Wir fragen uns und die Öffentlichkeit seit nunmehr mehr als fünf Jahren: Welchen Anteil an dieser Diskrepanz haben Misswirtschaft, Betrug und Korruption im Gesundheitsbereich? Eine Antwort auf unsere diesbezüglichen Fragen sind uns Bundes- und
Landesregierungen seit unserer ersten Untersuchung 2001 immer noch schuldig."
Mit dem jetzt vorliegenden Text möchte Transparency Deutschland einen neuen Anlauf unternehmen, nach sachgerechten Antworten zu suchen. "Die Strukturprobleme im Gesundheitswesen liegen im Überangebot an Waren und Dienstleistungen und der Reaktion von Bund und Ländern auf diese Situation des Überflusses. Die Überalterung der Gesellschaft spielt eine geringere Rolle, und die Kostensteigerungen für Behandlungen sind durch strukturelle Mängel, darunter auch Korruption, hausgemacht. Wie kämen sonst andere Länder mit weniger Geld aus, bei denen die Menschen nicht kränker sind als bei uns und genauso lange leben?", fragt die neue Themenführerin der TI-Arbeitsgruppe "Korruption im Gesundheitswesen", Dr. Gabriele Bojunga.
Die drei Autoren heben hervor, dass es kein neuerliches Herumkurieren an Symptomen geben darf: "Die Behebung der strukturellen Mängel unseres Gesundheitssystems muss an erster Stelle stehen. Wir als Transparency Deutschland konzentrieren uns dabei auf die Bekämpfung der Korruption. Für uns ist es nicht akzeptabel, nur durch immer neue Lasten für die Versicherten auf der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerseite oder für alle Steuerzahler zu reagieren. Wir fordern weitestmögliche Transparenz für Beitrags- und Steuerzahler."
1.) Betrug, Verschwendung und Korruption im Gesundheitswesen haben sich in Deutschland im Laufe der Jahrzehnte kontinuierlichen Wirtschaftswachstums in die Strukturen unseres auf Länderebene organisierten Gesundheitswesens regelrecht eingefressen. Der einzelne Arzt, Zahnarzt oder Apotheker, der einzelne Versicherte, der einzelne kleine Anbieter von Waren oder Dienstleistungen kann sie – auch bei großer Anstrengung - angesichts der Marktmacht der einschlägigen Industrie und ihrer Verbände und angesichts der intransparenten, verkrusteten Strukturen von Selbstverwaltung und staatlicher Aufsicht kaum durchschauen, geschweige denn verändern. Die dadurch jährlich entstehenden Verluste werden auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt. Zu lange hat die Politik der Wirtschaft nachgegeben, statt ihr einen Rahmen zuzuweisen, und zu lange hat sie die öffentlich-rechtlichen Körperschaften des Gesundheitswesens auf der Länderebene sich selbst überlassen, statt nach einem für alle verbindlichen Kontrollinstrumentarium zu suchen. Zu den Kernelementen eines Anti-Korruptionsprogramms, das sich in der Neuregelung des Gesundheitswesens wiederfinden muss, um künftige Fehlleitungen der knappen Ressourcen zu unterbinden, gehören vor allem folgende Punkte:Durchgreifende Professionalisierung der Körperschaften öffentlichen Rechts (Krankenkassen, kassen(zahn)ärztliche Vereinigungen und Kammern des Gesundheitswesens): Ziel ist die Transparenz der Entscheidungsprozesse und des Geschäftsgebarens.
2.) Der strukturellen Korruption im deutschen Gesundheitswesen ist aber allein mit neuen Gesetzen, reformerischen Maßnahmen, größeren Ermittlungsanstrengungen und besserer Strafverfolgung nicht beizukommen. Es muss eine Kultur entstehen, die Korruption im Medizinbereich ächtet. Es ist unmoralisch und unanständig, sich an einem System zu bereichern, das Menschen mit geringem Einkommen immer mehr belastet und durch Fehlallokation zunehmend Lücken lässt in einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung. Verhaltensrichtlinien mit wirkungsvollen Sanktionen sind nötig, Vergabeordnungen müssen beachtet und Interessenkonflikte transparent gemacht werden.
3.) Die deutsche Gesundheitswirtschaft hat auch international die Verpflichtung, dem Wohl der Menschen zu dienen und ethische Standards zu wahren.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Der Stern schrieb dazu bereits am 12.11.2004
Martiny forderte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und ihre Länderkollegen auf, sich dem Problem stellen und es gemeinsam bekämpfen. "Wir müssen eine neue Kultur schaffen, die Korruption im Medizinbereich ächtet." Nötig seien unter anderem bessere Maßnahmen gegen Chipkartenmissbrauch, Regressmöglichkeiten gegen Arzneimittelhersteller bei falschen Versprechungen, eine Professionalisierung der Selbstverwaltung und wirksamere Strafverfolgung. Auf internationaler Ebene soll ein Anti-Korruptions-Institut gegründet werden.
Das Bundesgesundheitsministerium sieht nicht die Gefahr einer weit verbreiteten Anfälligkeit für Korruption im Gesundheitswesen. Die übergroße Zahl der Mitarbeiter in diesem Bereich mache einen prima Job, sagte Ministeriumssprecher Klaus Vater mit Blick auf Berichte über zweistellige Milliardenschäden im Gesundheitswesen durch Korruption. Er räumte ein, es gebe schwarze Schafe. "Das Gesundheitsmodernisierungsgesetz bietet zum erstenmal ein gute, breite gesetzliche Grundlage um mit diesen Fällen klarzukommen und solche Fälle abzustellen", sagte er weiter. Die Kassenärztlichen Vereinigung würden darin aufgefordert, Stellen zu schaffen, um Korruption zu bekämpfen. Seines Wissens nach komme man gut voran. Ende des Jahres werde man einen Überblick haben.
Zulassungsstudien, wissenschaftliche Beiträge auf Kongressen und Vorgaben in Ärzteleitlinien würden zum Großteil von Wissenschaftlern erstellt, die als "Mietmäuler" die Linie des Herstellers wiedergäben. Schönhöfer sprach von einer "Korrumpierung des Wissenschaftsbetriebs" durch die Pharmaindustrie. "Marketing ist heute die stärkste Bedrohung für die therapeutische Versorgung", sagte der Mitherausgeber des "Arzneimittel-"Telegramms".
Bedenklich finden die Gesundheitsexperten auch, dass häufig Pharmafirmen hinter so genannten Patienten-Selbsthilfegruppen stecken. Die Industrie versuche, auch über diese "U-Boote" ihre Arzneien zu vermarkten, sagte Etgeton.
Zu Angaben der Antikorruptions-Organisation Transparency International, jährlich würden dem Gesundheitswesen bis zu 20 Milliarden Euro durch Betrug und Korruption entzogen, nahm Vater zunächst keine Stellung, weil ihm der Bericht nicht bekannt sei.
Eine Transparency-Sprecherin hatte zuvor erklärt: „Wir können davon ausgehen, dass drei bis zehn Prozent des Gesundheitsbudgets verloren gehen.“ Grundlage dieser Schätzung seien Studien aus den USA, die nach Ansicht von Transparency auf europäische Länder übertragbar sind. Die Betrügereien gibt es nach Einschätzung der Organisation auf allen Ebenen, vom Arzt über die Apotheken bis hin zu Anbietern von Hilfsgeräten, der Pharmaindustrie, den Krankenkassen und Patienten."
Quelle: carenoble
Immer weniger Nachwuchsmediziner sind bereit, in ihrem Beruf zu arbeiten. Das geht aus Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervor: Im Jahr 2003 haben nur 6.802 von insgesamt 8.947 Studienabgängern mit der Ausbildung zum Arzt im Praktikum (AiP) begonnen. Im Vergleich zu 1998 sind das über 1.000 Absolventen weniger. Damals waren es noch 7.862. Die AiP-Zeit war bis Oktober 2004 Voraussetzung für die Voll-Approbation.
Hatten sich im Jahr 1998 16% der Absolventen gegen ein AiP im direkten Anschluss an das Studium entschieden, waren es im Jahr 2003 bereits 24%. Bei den Studienabgängern stoßen die beruflichen Alternativen, etwa die Pharmaindustrie, die Verwaltung oder eine Tätigkeit im Ausland, auf immer stärkeres Interesse.
Die Gründe dafür sind vor allem die als unangemessen erachtete Bezahlung eines Arztes, die zeitliche Überlastung und das Übermaß an nichtärztlichen Aufgaben. Dabei sind die jungen Ärzte wichtiger denn je. Dem Berufsstand droht nämlich die Überalterung. Bis zum Jahr 2015 werden circa 47.000 Vertragsärzte Praxisnachfolger suchen.
Während das Durchschnittsalter der praktizierenden Mediziner stetig zunimmt, schrumpft der Anteil der unter 35-jährigen Ärzte weiter. 1993 lag das Durchschnittsalter der Vertragsärzte noch bei 47,46, im Jahr 2004 bei 50,82 Jahren. Der Anteil der unter 35-jährigen an allen berufstätigen Ärzten betrug 1993 26,6%, im Jahr 2004 nur noch 16,3%.
Mit veränderten Rahmenbedingungen, etwa der Flexibilisierung des Vertragsarztrechts, möchte die KBV das Problem angehen. Medizinstudenten gibt es in Deutschland genug: 2003 haben 13.000 Studenten die medizinische Hochschulausbildung begonnen. Nur müssen diesen Anreize geboten werden, die die Arbeit in der Arztpraxis wieder attraktiver macht.
Arzneimittelausgaben: 2005 Steigerung um 16 Prozent
Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel sind im vergangenen Jahr kräftig gestiegen. Nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) vom Montag gaben die Kassen 2005 rund 23,4 Milliarden Euro für Medikamente aus. Das seien 3,3 Milliarden Euro mehr gewesen als 2004.
Für die Steigerung um 16,3 Prozent machte der Apothekerverband mehrere Entwicklungen verantwortlich. Rund 1,5 Milliarden Euro Mehrausgaben seien einem «Struktureffekt» etwa durch Therapieumstellungen auf neue Arzneimittel oder andere Packungsgrößen zuzurechnen.
Die gesetzliche Absenkung des Herstellerabschlags an die Krankenkassen habe mit 910 Millionen Euro zu Buche geschlagen. Mehr Verordnungen durch die Ärzte kosteten die Kassen zusätzlich 524 Millionen Euro. Weitere Mehrausgaben entstanden dem Verband zufolge durch Vorzieheffekte Ende 2003 vor der letzten Gesundheitsreform, erhöhte Zuzahlungsbefreiungen, Preiserhöhungen bei Arzneimitteln ohne Festbetrag und die Absenkung des Apothekenabschlags.
Quelle: ddp
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Schlankheitsmittel für SchlankeWenn Apotheken Dienstleistungen wie Schlankheitsberatung anbieten, sollten diese über das bloße Produktangebot hinausgehen. Deswegen weisen solche Apotheken ausdrücklich daraufhin, dass zu ihrer Dienstleistung Gespräche mit Kunden gehören. Das Problem ist, sieben der 19 getesteten Apotheken beraten „mangelhaft“. Das Interesse scheint in erster Linie darauf zu liegen, Schlankheitsmittel zu verkaufen. Unglaublich dreist war die Pelikan-Apotheke in Stuttgart: Dort empfahl der Apotheker einer normalgewichtigen Testerin gleich sieben Produkte. Positive Ausnahmen bei den Produktempfehlungen: Am Luitpoldpark in München und Barer in München, Pfeil in Hamburg und Talkrabb in Stuttgart. Diese Apotheken informierten und verkauften nicht gleich Schlankheitsmittel. Sie bekamen deshalb ein „sehr gut“ im Prüfpunkt „Produktempfehlungen“. |
Wenige fragen nach Gesundheit und ErnährungNoch ärgerlicher sind die schlechten Noten für die so genannte Anamnese, also Fragen zum Gesundheitszustand und zur Ernährung. Erst dadurch erhält der Apotheker notwendige Informationen, um Kunden qualifiziert beraten zu können. Auch hier sind acht Apotheken „mangelhaft“. Fragen nach Krankheiten und Medikamenteneinnahmen waren in mindestens jedem fünften Fall Fehlanzeige. Beispiel Diabetiker: Nimmt er ein paar Kilo ab, kann das den Stoffwechsel beeinflussen. Folge: Die Medikation stimmt nicht mehr. Die Stuttgarter Kur-Apotheke wies noch nicht einmal auf Nachfrage daraufhin, dass Diabetiker das Produkt Almased nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen dürfen. Die Mitarbeiter der Internationalen Apotheke in Stuttgart verhielten sich ähnlich fahrlässig. Sie sagten zu Risiken und Nebenwirkungen von CM3 Alginat, Matricur und Formoline L112 viel zu wenig. |
„Gut“ in 20 MinutenDie Unterschiede bei den Produktempfehlungen und den Fragen zu Gesundheitszustand und zur Ernährung drücken sich auch in der Dauer der Beratung aus. Die Apotheke mit der schlechtesten Schlankheitsberatung, Georg Hirth in München, nahm sich auch nur zwei Minuten Zeit. Die St. Pauli-Apotheke hat dagegen bis zu eineinviertel Stunden beraten - allerdings mit fragwürdigen Ernährungtipps: Reichlich Ingwerwasser trinken und nach 15 Uhr nichts essen. „Gut“ und zügig informierte der Testsieger, die Barer-Apotheke in München, innerhalb von zwanzig Minuten. Genauso uneinheitlich wie die Dauer der Gespräche sind auch die Kosten: Manche Apotheken berieten mal kostenlos, mal verlangten sie zwischen fünf und 35 Euro. |
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Den Pharmaherstellern wird die Marge gekürzt